Einsatz von Virtualisierungstechnologie im Hochschullehrbetrieb (Teil 2/2)

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Im zweiten Teil der Reihe „Einsatz von Virtualisierungstechnologie im Hochschullehrbetrieb" möchte ich auf das Thema Softwarevirtualisierung eingehen. Im Gegensatz zur Hardwarevirtualisierung, mit deren Hilfe die physikalischen Komponenten einer Workstation oder eines Servers in Software simuliert werden, existieren bei der Softwarevirtualisierung je nach Hersteller verschiedene Ansätze. In diesem Beitrag möchte ich kurz das Produkt ThinApp der Firma VMware vorstellen, das bis vor kurzem auch unter dem Namen Thinstall bekannt war...

Mit dem Produkt Thinstall der Firma VMware ist es möglich, Softwareanwendungen (einzelne Anwendungen, aber auch komplette Suites wie MS Office) in eine einzelne direkt ausführbare Anwendung (.exe) zu „verpacken". Diese Anwendung kann anschließend ohne eine Installation durchführen zu müssen, auf jedem Rechner mit Windows-Betriebssystem ausgeführt werden. Die „verpackte" Anwendung enthält eine Laufzeitumgebung, die Zugriffe der Anwendung auf die Windows Registry, Ini-Dateien, etc. vom zugrunde liegenden Betriebssystem abstrahiert und in einen eigenen Bereich umleitet. Eine auf diese Weise virtualisierte Anwendung hinterlässt demzufolge keine Spuren in der Installation des Betriebssystems, auf dem die Anwendung ausgeführt wird. Dies hat z.B. den Vorteil, dass man mehrere unterschiedliche Versionen einer Anwendung parallel installieren kann, ohne dass diese sich gegenseitig beeinflussen. Ebenso können Anwendungen, die Administratorrechte erfordern, virtualisiert mit normalen Benutzerrechten ausgeführt werden, da die priviligierten Zugriffe durch die Laufzeitumgebung abgefangen und umgeleitet werden.

Der Vorgang der Virtualisierung ähnelt dem Vorgehen der Paketerstellung von Softwareverteilungsprodukten:
Thinapp besteht im Wesentlichen aus einem Tool zur Erzeugung / Paketierung der zu virtualisierenden Anwendung. Dazu erstellt Thinapp zunächst einen Snapshot der aktuellen Konfiguration eines Rechners und beobachtet die Änderungen, die durch die Installation der zu virtualisierenden Anwendung durchgeführt werden. Die installierten Dateien sowie die Änderungen an Registry und Dateisystem werden anschließend mit der Laufzeitumgebung in eine große ausführbare Datei verpackt. Aus einer wenige MB großen Anwendung kann so leicht eine ausführbare Datei von 100 MB oder mehr entstehen. Das Starten einer solchen Anwendung dauert - nicht wie zu erwarten - sehr viel länger als eine herkömmlich installierte Anwendung. Lediglich beim ersten Starten dauert es wenige Sekunden länger bis die Benutzeroberfläche der Anwendung erscheint. Bei allen folgenden Aufrufen ist kein Unterschied zu einer herkömmlich installierten Anwendung zu spüren. Dies trifft selbst dann zu, wenn eine virtualisierte Anwendung von einem Netzlaufwerk gestartet wird, sofern die Bandbreite mindestens 100MBit beträgt. Dies ist möglich, da nur die gerade benötigten Teile der Anwendung sowie die Laufzeitumgebung in den Hauptspeicher geladen werden, die restlichen Programmteile je nach Bedarf per Streaming.

Der Vorteil von virtuell bereit gestellten Softwareanwendungen liegt auf der Hand: Anwendungen können auf diese Weise wesentlich flexibler verteilt und bereitgestellt werden als mit Imaging- oder Softwareverteilungsverfahren, da die Installation auf dem Rechner entfällt. Anwendungen können auch auf Wechselmedien wie USB-Sticks, mobile Festplatten an Studierende „ausgeliehen" werden, sofern dies die Lizenzbedingungen der Software gestatten. Thinapp ermöglicht ebenso wie VMware ACE eine Abschottung der Anwendung sowie die Eingabe eines „Verfallsdatums", ab dem die Anwendung nicht mehr gestartet werden kann. Wie bei allen Virtualisierungstechnologien muss jedoch auch hier genau geprüft werden, ob der jeweilige Einsatz durch die Lizenzbedingungen der Software legalisiert ist.

Sowohl Hardware- als auch Softwarevirtualisierung bietet neue Möglichkeiten des Desktop- und Softwaremanagements, die ihre Stärken vor allem in intelligenter Kombination der Verfahren ausspielen. Stellvertretend wurden in diesem Beitrag Produkte von VMware vorgestellt. Selbstverständlich existieren weitere Produkte am Markt, die identische oder ähnliche Leistungsmerkmale aufweisen. Rechenzentren und IT-Abteilungen werden mit Hilfe dieser Technologien in die Lage versetzt, auf die neuen Herausforderungen im Bereich Desktop- und Softwaremanagement flexibel und schnell zu reagieren.

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